Bier und Öl geschwitzt – Vercors 2026

Nur ganz langsam und mühsam werde ich wach. Und stelle fest, es geht mir nicht gut. Gar nicht gut! Wo bin ich hier eigentlich? In einem Krankenhaus? Nein, so sieht es hier nicht aus, wie ich erkenne, als meine Augen sich langsam an das durch hölzerne Fensterläden gedimmte Licht gewöhnen. Eher ein Hotel…und dann kommt die Erinnerung: Ich bin im Hotel Le Marronnier in Rencurel im Vercors. War gestern Abend mit Mäcks aus der Pfalz kommend hier eingetroffen. Frank, aus den Cevennen kommend, war nur wenige Minuten vorher angekommen. Und dann sind Wiedersehensfreude und Begrüßungsbier in Verbindung mit der großen Hitze der letzten Tage wohl eskaliert. Den anderen beiden geht es, wie ich wenig später beim Frühstück feststelle, auch nicht besser. Und während ich ohne großen Appetit auf meinem Croissant herumkaue, sortiere ich meine Erinnerungen:

Am Donnerstag war ich in Kassel gestartet, bei zunächst noch angenehmen 25°. Durch Kellerwald und Taunus ließ es sich entspannt touren, bei der Abfahrt zum Rhein wurde es immer heißer und an der Rheinfähre bei Eltville zeigte das Thermometer 39°. Erst im Pfälzer Wald wurde es wieder erträglicher, und dann war ich auch schon bei Mäcks angekommen. Nach einem entspannten Abend auf seiner Terrasse ging es am nächsten Morgen gemeinsam Richtung Frankreich. Die Vogesen wurden nordwestlich gestreift, bei zunehmender Hitze (das Bordthermometer zeigte teilweise 41°) ging es kurvig bis Arc et Senans, wo wir vorab ein Zimmer gebucht hatten. Eigentlich mit zwei Einzelbetten, aber davon wusste die Wirtin vor Ort dann angeblich nichts. Blieb nur Kuscheln im französischen Doppelbett. Vorher aber abkühlen im Hotelpool. Wobei “kühl” bei 31° Wassertemperatur auch relativ ist…

Schatten dringend gesucht – Pause im Pfälzer Wald
Hochwillkommen: Hotel-Pool in Arc-et-Senans

Die Nacht war heiß, geschlafen habe ich nur schlecht. Zumindest das Frühstück war dann aber gut. Die heutige Tour war dann noch schöner als gestern, umso bergiger und kurviger, je weiter wir nach Süden kamen. Heiß war es auch heute, und bei einer Pause an der Ain wären wir am liebsten in das verlockend kühl aussehende Wasser gesprungen. Aber wir waren schließlich mit Frank im Vercors verabredet, also ging es ohne erfrischendes Bad weiter. In Rencurel am Hotel angekommen, stand Frank schon auf der Terrasse, bekam von der Bedienung gerade sein erstes Bier gereicht. Wir bestellten auch sogleich, und dann sind Wiedersehensfreude und Begrüßungsbier in Verbindung mit der großen Hitze der letzten Tage wohl eskaliert…

Da wären wir am liebsten reingesprungen – Pause an der Ain
Am Ziel angekommen: Hotel Le Marronnier in Rencurel
Mit Oldtimer-Deko und…
…zum Glück ebenfalls mit Pool


So langsam wirkt der Kaffee und es scheint mir zumindest nicht mehr völlig ausgeschlossen, heute wie geplant eine Tagestour durch das Vercors zu fahren. Die Landschaft und die abenteuerliche Straßenführung mit ihren spektakulären Galerien, Tunneln und Abgründen empfiehlt ohnehin eine langsame und vorsichtige Fahrweise, und so dauert es auch gar nicht lange, bis ich den Tag und die unzähligen Kurven dann doch genießen kann. Eine entspannte Mittagspause gibt es in der Auberge de Léoncel. Wieder im Hotel angekommen, halten wir uns beim Stiefelbier heute ganz bewusst etwas zurück. Vor dem Abendessen ist noch Zeit für ein kühles Bad im Hotel-Pool, danach genießen wir den Abend unter der mächtigen Kastanie auf der wunderschönen Hotelterrasse. Wie die Rechnung später bestätigt, ist der Getränkekonsum gegenüber dem Vortag deutlich reduziert…

Kehren und Felsen dominieren die Landschaft
Am Combe Laval: Moppedfreuden…
…und Aussicht von dort


Als ich am nächsten Morgen aufwache, geht es mir dementsprechend gut. Anders als gestern, begebe ich mich daher voller Vorfreude auf den zweiten Vercors-Tourtag zum Frühstück, das wir ebenfalls auf der Terrasse genießen. Wir machen eine Fotopause am Pas de l’Aubasse und nehmen dann noch einmal den Col de la Bataille unter die Räder, erreichen schließlich in Beaufort-sur-Gervanne den südwestlichsten Punkt dieser Tagestour und müssen dort leider schon wieder Abschied nehmen von Frank, der heute noch zurück muss nach Le Rozier. Für Mäcks und mich geht es – für mich überraschend – weiter an blühenden Lavendelfeldern vorbei Richtung Col de Rousset. Die für das Vercors eher breite Straße, die eher weiten Kurvenradien und die Tatsache, dass wir heute nicht mit Restalkohol zu kämpfen haben, lassen uns dann erstmals auf der Tour eine etwas flottere Gangart einlegen. Macht schon auch Spaß! Eine Stärkung gönnen wir uns dann später am Col de la Machine. Wieder etwas gemächlicher geht es dann zurück zum Hotel.

Der Fuhrpark am Pas de l’Aubasse…
… und das grandiose Panorama dort
Pause am Col de la Machine…
…mit kleiner Stärkung und…
… Traumstraße
Die Guzzi auf der D103 bei Le Clots
Ausnahmsweise mal der Autor und seine Kuh im Bild
Regelmäßig Trinkwasser nachfüllen ist bei der Hitze obligatorisch
Nach der Tagestour darf man dann mit gehopftem Wasser auffüllen 😉

Den heutigen Abend nutzen wir dann für die Planung der Rückreise, buchen eine kleine Ferienwohnung in Boussières (Le Gites De L’Orée Du Bois, sehr empfehlenswert). Die Route dorthin entspricht im Wesentlichen derjenigen der Hinfahrt, was aber nicht schlimm ist, weil sich in der Gegenrichtung ganz andere Ausblicke und Eindrücke ergeben. Isabelle, die Vermieterin der Ferienwohnung, weiß was müde Kradfahrer brauchen, und bietet uns als Erstes ein kühles Bier an. Bei der wieder größeren Hitze haben wir keine Lust, noch zu einem Restaurant im Ort zu laufen und bestellen bei ihr auch gleich das Abendessen – eine gute Entscheidung! Der nächste Tag verläuft dann schließlich doch anders, als geplant: Die Guzzi hatte schon die ganze Tour über etwas Öl geschwitzt, wir haben das der großen Hitze zugeschrieben und haben regelmäßig kontrolliert und etwas nachgefüllt. Bei der ersten Trinkpause das Tages fällt dann mein Blick zufällig auf den Hinterreifen des Schmuckstücks aus Mandello del Lario, und ich erschrecke: Die rechte Flanke ist voller Öl!

Da vor dem Hinterrad auf der rechten Seite ein Schlauch endet, ist unsere erste unprofessionelle Vermutung, dass wir vielleicht etwas zu viel Öl nachgefüllt haben und dieses jetzt einen Weg durch die Kurbelwellenentlüftung gewählt hat. Wir steuern (langsam!) eine Tankstelle an und Mäcks säubert die Guzzi mit dem Hochdruckreiniger. Der Ölstand ist jetzt unter Maximum, wenn wir richtig liegen, sollte das Problem behoben sein. Ist es aber nicht, und so bleibt nur die Werkstattsuche im Internet. In Epinal werden wir fündig und uns wird dort sofort geholfen. Der O-Ring des Ölfiltereinsatzes war der Übeltäter. Austausch desselben und neues Öl für 88,- Euro. Insgesamt hat uns die Aktion gut zwei Stunden gekostet, so kommen wir an diesem Abend etwas später als geplant in der Pfalz an. Aber wir kommen an, und das ist die Hauptsache! Das hätte auch anders ausgehen können…Am nächsten Morgen heißt es dann Abschied nehmen von Mäcks, für mich geht es durch Pfälzer Wald, Hunsrück, Taunus und Hinterland wieder gen Heimat, wo eine schweißtreibende, aber sehr schöne Motorradtout zu Ende geht.

Da gehört das Öl der Guzzi sicher nicht hin!
Saubermachen alleine reicht nicht…
…eine Werkstatt muss her. Zum Glück konnte diese in Epinal helfen!
Warten auf die Rheinfähre zwischen Niederheimbach und Lorch

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